WohnzimmerTagebuch

Chris Rea: Still So Far To Go

Andreas Levers, 96dpi
Tempodrom, aufgenommen von Andreas Levers, 96dpi, flickr.com

Chris Rea spielte gestern abend im Berliner Tempodrom sein Best Of-Konzert “Still So Far To Go”. Nach dem Tourauftakt in Leipzig durften ihn Fans bereits in Dresden, Hannover und Hamburg live erleben. Neben weiteren deutschen Städten wird er auch in Prag, Wien, Budapest, Warschau und Amsterdam auftreten.

Das Tempodrom

Das Tempodrom ist eine schicke, zeltähnliche Halle, nicht zu groß und nicht zu klein – das Konzert war ausverkauft und von allen Plätzen hat man den 58-jährigen Engländer gut erkennen können. Lediglich die Sitze waren spätestens nach anderthalb Stunden unangenehm und man wusste nicht recht, wie man sich drehen und wenden sollte. Die Bühne war etwas spärlich eingerichtet, ein paar Scheinwerfer hinten und seitlich, sowie eine Reihe an der Traverse. Der Bühnenhintergrund war mit einigen Gitarren, ähnlich seinem Album-Cover “The Blue Guitars” geschmückt. Langsam gingen neoexpressionistische Bilder in Pastelltönen bzw. in kräftigen Farben ineinander über. Nichts aufregendes also.

Paul Casey

Die “Vorband” war ein junger Mann, der schon in wenigen Takten bewies, ebenfalls die (Halbakustik)Gitarre zu beherrschen. Ein Mann rief aus dem Publikum nach dem ersten Song: “wer bist’n du?” Der Sänger machte weiter. Nach dem zweiten Lied erschallte wieder aus dem Publikum: “My Name is George” – hier konnterte der Künstler endlich: “Hi George”. Erst nach dem dritten Song stellte er sich vor: “I’m Paul Casey from Ireland” – das Publikum honorierte dieses Entgegenkommen mit Applaus. Das war dann leider auch schon der lustigste Moment des Abends.
Der junge Ire machte auf seine Website www.paulcaseymusic.com aufmerksam, leider klingen seine Lieder auf CD nicht so gefühlvoll und eindringlich wie auf der Bühne. Ein schöner Einstieg in das Konzert.

Chris Rea & viele Gitarren…

Ohne viel Warten (Paul Casey brauchte ja nicht viel Technik, nur Mikro und Gitarre) und ohne viel Tamtam betrat dann endlich der Altmeister der elektrischen Gitarre die Bühne.
Es folgten jazzige Stücke in Blues-Rock, manchmal mit Einflüssen aus Reggae und Pop, manchmal sehr kraftvoller und melodischer Rock. In die unbekannteren Stücke mischte Rea die Klassiker, auf die alle gewartet hatten, größtenteils aber in ein neues musikalisches Gewand gehüllt und trotzdem mit rauer, einfühlsamer, markanter Stimme: Josepine, Julia und Looking For The Summer. Als am Ende der tollen, langen Version von Stainsby Girls nur noch ein simpler Beat vom Drummer antrieb und Rea eine kurze heftige Note immer wieder auf seiner E-Gitarre in alle Richtungen auf die Menge abfeuerte, begann die Stimmung hochzukochen. Vielen wollten mehr als rhythmisches Wippen und Klatschen, viele trieb es nun nach vorn direkt an die Bühne. Trotzdem ging Chris Rea nicht wirklich auf seine Fans ein. Nur sein Tanz mit der Gitarre im Einklang mit seinen sanften bis quietschenden Sounds brachte ein breites Lächeln auf mein Gesicht.
Bis zum Ende des etwa zweistündigen Rea-Konzerts waren die weiteren großen Highlights für mich Road To Hell, Let’s Dance und “Come So Far, Yet Still So Far To Go”, welches auf der zur Tour erschienenen CD enthalten ist.

Fades Ende

Als die Band die Bühne verließ, klatschten und stampften die meisten der Gäste noch wild nach einer Zugabe, schließlich fehlten noch so viele andere Hits dieses “Best Of”-Konzerts.
Beim Verlassen des Tempodroms suchten wir vergeblich nach einem Merchandise-Stand mit den üblichen CDs, Postern und T-Shirts. Schade. Unsere Ohren wurden über zweieinhalb Stunden lang verwöhnt und in eine wundervolle, bluesige Welt entführt worden. Etwas mehr “Entertainment” hätte es trotzdem sein können, vor allem für die Weltstadt Berlin.

Dass er nach seiner Abschiedstour 2006 und schwerer Krankheit nun doch wieder auf der Bühne stand, dass ich ihn doch noch live sehen durfte, bin ich sehr dankbar. Josephine, I Can Hear Your Heartbeats und Thinking Of You gehören zu meinen absoluten Lieblingsliedern. Ich wünsche ihm viel Energie, denn er hat “still so far to go”.

  1. One Response to “Chris Rea: Still So Far To Go”

  2. By justus jörns on Mrz 7, 2010

    Moin, war gestern in Dortmund auf dem Abschlusskonzert – könnte die Auftritte nicht besser beschreiben. War sehr überrascht zu Weihnachten die Karten geschenkt zu bekommen und habe so eine Spielfreude und ausgefeilte Gitarrentechnik lange nicht gesehen! Wir waren einfach begeistert und werden den Abend lange in dankbarer Erinnerung behalten. Mit Santana zusammen auf der Bühne, wüsste ich nicht, wer’s von beiden besser raus hat. beste Grüsse

Post a Comment