WohnzimmerTagebuch

Geplante Kohlendioxid-Verpressung erhitzt die Gemüter

CCS-Lagerstätten
Ausschnitt der PDF möglicher unterirdischer Lagerstätten zur Verpressung Kohlendioxid (CCS) Quelle: Greenpeace/BGR

Am vergangenen Wochenende kamen über 2000 Bürger aus Beeskow und dem Umland zusammen, um gegen die von Vattenfall geplante Kohlendioxid-Verpressung in einem flammenden Protestmarsch zu protestieren. Der schwedische Energiekonzern Vattenfall besitzt die Lausitzer Kohlekraftwerke und möchte unter der Region Beeskow-Birkholz gern das klimaschädliche CO2 pressen (Carbon Capture and Storage, CCS). In vielen abendfüllenden Vorträgen im Beeskower Bürgerbüro versicherte der Konzern sowie die durchführenden Firmen, dass das Verfahren weltweit erprobt wurde und sicher sei. Das animierte Szenario der Verpressung umfasste eine Zeit von 200 Jahren, was die anwesenden Bürger zu Recht beunruhigte – es folgten natürlich Nachfragen: Was passiere, wenn doch das gasförmige, unsichtbare, geruchslose, gifte CO2 austritt? Welche Kommune oder Firma kann in 100, 200 und noch mehr Jahren noch haften? Kann das Gas in der Tiefe das Grundwasser versäuern? Kann das Gas durch alte Ölbohrungen nach oben gelangen? Welche Technik könnte die Bevölkerung im Ernstfall vor dem “Giftgas” warnen? Diese Fragen scheinen Politiker und Konzernleitung auszuklammern.

Sicherlich: Brandenburg will Vorreiter bei “grünen Technologien” werden, Vattenfall will beim Emissionshandel Geld sparen und finanziert lieber Millionen in CCS als jahrzehntelang teure CO2-Zertifikate zu bezahlen. Zu groß war in den letzten Jahren, ja Jahrzehnten der Groll auf das Kohlendioxid.

Seit 2 Jahren baut sich eine breite Protestbewegung im ländlichen Raum auf, nicht nur in Beeskow (Bürger-Initiative “CO2-Endlager stoppen”) auch in der Region um Neutrebbin/Wriezen (Kreis MOL). Immer mehr gelbe Kreuze werden aufgestellt, immer mehr Familien bekunden mit Plakaten und Bannern ihr Unbehagen über das zukünftige CO2 unter ihren Grundstücken.

Vor 2 Wochen veröffentlichte Greenpeace eine Grafik des Bundesamtes für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), in welcher die möglichen Lagerstätten in Deutschland erfasst wurden. Der Großteil befindet sich unterhalb der Nordsee, nur sehr kleine Lagerstätten sind unter Beeskow (Grafik oben, gelber Kreis unten rechts). Für MICH ist der einzige Grund, warum Vattenfall dennoch hier auf die Erprobung des Untergrunds setzt, die Nähe zu den Kohlekraftwerken in der etwas südlicher gelegenen Lausitz – zynisch gefragt: wäre eine Verpressung unter der Nordsee noch teurer? Eine Leitung dorthin zu aufwendig als einfach unter Beeskow zu verpressen?

In den kommenden Monaten werden alle betroffenen Parteien versuchen, ihre Karten geschickt auszuspielen. Manche setzen auf Gesetzesentwürfe, andere wollen es aussitzen. Es wird sicher aber sicherlich immer mehr in ein bundesweites Problem entwickeln, Gesetze müssen für alle betroffenen Erkundungsgebiete gelten. Demnächst folgen Fotos von Protestbannern und -kreuzen vor Ort.

Hier noch ein paar weiterführende Links:
Greenpeace-Beitrag zum Thema CCS
MOZ-Beitrag zum flammenden Protestmarsch
MOZ-Videobericht

Ein weiterer Rückschlag für die Weltmusik

Radio

Obwohl die deutschen Medien immer weiter an unsere Geldbeutel rücken (haushaltsgebundene öffentlich-rechtliche Gebühren, Werbung, HD+ Gebühren der privaten Fernsehsender) geht es mit der Programmvielfalt weiter nach unten:
Anfang des Jahres ist fast unbemerkt der Sendebetrieb des öffentlich-rechtlichen Weltmusiksenders “Funkhaus Europa” in Brandenburg eingestellt worden. Die Frequenz gab der hier zuständige Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) an den privaten Betreiber “Brandenburger Lokalradios GmbH” ab.

weiterlesen »

Nasse Füße in der Sanduhr

Hochwasser in Leissnitz
Spreewiese am Leißnitzer Badestrand. Selbst mit Gummistiefeln kommt man hier nicht weit

Als die Oder letztes Jahr wieder Hochwasser führte, herrschte schnell wieder aufgeregte Stimmung und Erinnerungen von 1997 kamen auf. Doch im Rest Brandenburgs, besonders hier in Leißnitz knapp 30 Kilometer von der Oder entfernt, ist man eigentlich eher Trockenheit gewöhnt. In den vergangenen Jahren beschwerten sich fast alle Landwirte ringsum über Ernteausfälle – die “Streusandbüchse Brandenburg” versteppe durch den Klimawandel und müsse mit immer höheren Temperaturen und irgendwann dauerhafter Dürre auskommen.

weiterlesen »