Über den Wolken…
Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein – so sang einst Reinhard Mey und träumte dabei vom Fliegen. Ich war ein glücklicher Fotograf, als mich mein Vater bei seiner Reise mit einem Heißluftballon mitnahm.
Besonders schön war es, die eigene Heimat, das eigene Dorf unter einem sehen zu dürfen – wir starteten auf dem Sportplatz (auf dem sich bis zum Start viele Leute gespannt versammelten). Und als der Ballon erst einmal mit heißer Luft prall gefüllt war, ging’s zügig nach oben…
Dass mir normalerweise auf Leitern immer etwas mulmig wird hab ich dort erst gemerkt, als ich nach dem schnellen Aufstieg aus meinem Fotorausch raus kam. Ich wollte nämlich so viele Fotos wie möglich von Leißnitz von oben machen. Mit jedem Meter wurden die Häuser und Menschen kleiner. Straßen und Wiesen wurden aus dem immer steileren Blickwinkel plötzlich seltsam unvertraut. Auf einmal ruhte die Kamera und ich realisierte, vor mir mit nur einem Blick das ganze Dorf überblicken zu können – ja mehr noch. Ich sah vor mir unser Windrad Richtung Friedland, dahinter die Wälder des Schlaubetals und dahinter sogar die Türme des Kohlekraftwerks in Jänschwalde und weiter westlich die ehemalige Cargolifter-Halle (Tropical Islands) – immerhin circa 40 Kilometer entfernt.
Unter uns die ruhige Spree, Leißnitzer und Glower See – ja sogar der größte brandenburgische See, der Schwielochsee, sahen aus etwa 200 Metern Höhe grandios überschaubar aus. Ich hatte mir Wind aus südlicher oder nördlicher Richtung gewünscht, dann wären wir über eben diese Seen oder immer der Spree entlang bis hinter Beeskow geweht worden. Mit Südostwind ging es aber über die Leißnitzer Fähre, zwischen Ranziger und Tiefem See. Bald schon rätselten wir, an welchen Dörfern und Siedlungen wir sanft vorbei glitten. Überhaupt war alles wundervoll still und unsere verblüfften Gespräche wurden nur vom lauten Rauschen des Gasbrenners unterbrochen. Hunde bellten zu uns hoch und ab und zu schauten Leute in die Höhe. Ich bin mir nicht sicher, ob unsere “Hallo”-Rufe wirklich ankamen.
Eigentlich ist die Fahrt unbeschreiblich. Ich kann nur sagen, dass die wahre Arbeit danach kommt. Aber so “mitgenommen” wie man nach circa 15 Kilometern und etwa anderthalb Stunden “Flug” ist (der Ballonfahrer sagt natürlich “fahren”) und nach einer recht durchschüttelnden Landung macht es trotzdem Spaß, Ballon und Korb zusammenzupacken und zu verstauen. Die anschließende Taufe mitsamt Haare anbrennen (und mit Sekt löschen) ist dann der glorreiche Abschluss einer atemberaubenden Reise über den grauen Wolken des eingeengten Alltags.







